Spätestens seit der als „Flüchtlingskrise“ etikettierten Ankunft von rund drei Millionen Migrant_innen und Geflüchteten in den Jahren 2014 bis 2016 ist die Beschäftigung mit Fluchtursachen innerhalb der EU zu einem buchstäblichen Dauerbrenner avanciert. Diese müssten „bekämpft“ werden, denn nur so seien die Probleme wirklich bei der Wurzel zu fassen. Das klingt vernünftig, ist aber hochgradig irreführend. Denn Europa präsentiert sich gerne als Feuerwehr, wo es doch selbst all zu häufig als Brandstifter agiert – gerade in zahlreichen Ländern Afrikas. Die Menschen kommen nicht aus Abenteuerlust, sondern weil ihre Existenzgrundlagen zerstört werden – ob durch Ressourcenkonflikte, ungleiche Handelsbeziehungen, Landgrabbing oder verschuldungsbedingte IWF-Strukturanpassungsprogramme. All dies ist das Ergebnis globaler Machtverhältnisse, in denen Europa seit kolonialen Zeiten am Drücker sitzt – nicht selten im Wechselspiel mit korrupten, machtversessenen und undemokratischen Eliten im Süden des Globus. In der Veranstaltung sollen zum einen die aktuellen Entwicklungen auf den Flucht- und Migrationsrouten nach Europa vorgestellt werden – mit Fokus auf wichtige Transitländer wie Libyen, Niger und Marokko. Zum anderen sollen anhand exemplarischer Beispiele aus Westafrika Fluchtursachen näher in den Blick genommen werden

Olaf Bernau ist Journalist und Referent in der Erwachsenenbildung. Ehrenamtlich engagiert er sich im Koordinationskreis des transnationalen Netzwerks Afrique-Europe-Interact, in diesem Rahmen hält er sich regelmäßig in Westafrika auf.


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